
Tinnitus verstehen: Wissen & Blog vom TINNITUS INSTITUT

Mythen rund um Tinnitus entlarven
Fast jeder kennt ein kurzes Pfeifen oder Summen im Ohr – das ist meist harmlos. Bleibt das Geräusch jedoch dauerhaft oder kehrt immer wieder zurück, spricht man von Tinnitus. Er entsteht im Körper selbst und hat keine äußere Schallquelle; nur selten ist er messbar („objektiver Tinnitus“).
Wie belastend Tinnitus ist, ist unterschiedlich: Viele kommen gut damit zurecht, bei manchen wird er zur starken Beeinträchtigung und kann psychotherapeutische Unterstützung erfordern.
Häufige Ursachen sind Stress, Lärm oder ein Hörsturz. Tinnitus kann in jedem Alter auftreten, besonders oft zwischen 40 und 50 Jahren, zunehmend aber auch bei Jüngeren. Eine Heilung gibt es nicht, doch verschiedene Therapien, Aufklärung und gezielte akustische Stimulation können die Lebensqualität deutlich verbessern.

Tinnitus - Definition & Einteilung
Man unterscheidet zwei Arten von Tinnitus:
- Objektiver Tinnitus: Dem objektiven Tinnitus liegt eine messbare Schallquelle (z.B. gefäßbedingte, muskulärbedingte oder atemabhängige Geräusche) in der Nähe des Innenohrs zugrunde.
- Subjektiver Tinnitus: Der subjektive Tinnitus (Tinnitus aurium) hat keine Schallquelle im Körperinneren, trotzdem wird von dem Betroffenen aufgrund einer fehlerhaften Informationsverarbeitung im Hörsystem ein Ton bzw. Geräusch wahrgenommen. Diese Form des Tinnitus tritt wesentlich häufiger auf.
Daneben ist eine zeitliche Differenzierung üblich:
Von der akuten Phase (akuter Tinnitus) spricht man in den ersten drei Monaten nach dem Auftreten der ersten Ohrgeräusche, danach handelt es sich um einen chronischen Tinnitus. Teilweise wird auch für den Zeitraum von 3 bis 12 Monaten von einem subakuten Tinnitus gesprochen.

Tinnitus & unser Hörsinn
Schallwellen gelangen über Ohrmuschel und Gehörgang zum Trommelfell, werden von den Gehörknöchelchen verstärkt und in die Schnecke des Innenohrs geleitet. Dort wandeln rund 20.000 Haarzellen die Schwingungen in elektrische Impulse um, die über den Hörnerv ins Gehirn gelangen und bewusst wahrgenommen werden.
Unser Gehirn speichert Geräusche und verknüpft sie mit Emotionen: Angenehme Klänge entspannen, bedrohliche schärfen die Aufmerksamkeit. Ein Tinnitus lässt sich jedoch keinem bekannten Ton zuordnen, weshalb das Unterbewusstsein oft mit Stress oder Alarm reagiert und das Geräusch stärker wahrgenommen wird.
Tinnitus - Ursachen & Risikofaktoren
Ein Tinnitus kann viele verschiedene Ursachen haben. Bei einer Reihe von Patienten ist allerdings weder eine Ursache noch ein Auslöser nachweisbar (idiopathischer Tinnitus).

Ihr weg zu innerer ruhe und wohlbefinden
Der objektive Tinnitus
Der objektive Tinnitus kann von anderen Menschen gehört und medizinisch messbar gemacht werden. Es handelt sich hierbei um Strömungsgeräusche von Blutgefäßen durch Verengungen (pulsierendes Geräusch) oder klickende Töne, die durch unwillkürlich zuckende Bewegungen der Muskulatur im Mittelohr oder Gaumen entstehen. Andere Ursachen können Herzklappenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), eine offene Tube oder ein gutartiger Tumor im Bereich der Kopfschlagader (Glomustumor) sein.
Der subjektive Tinnitus
Der subjektive Tinnitus wird nur von dem Betroffenen selbst gehört. Seine Entstehung ist bislang nicht vollständig erklärbar. Fachleute gehen davon aus, dass geschädigte Haarzellen oder fehlgeschaltete Nervenbahnen falsche Signale an das Hirn weitergeben. Eine andere Störungsquelle kann direkt im Hörzentrum entstanden sein, so dass die übermittelten Informationen des Hörnervs richtig ankommen, aber falsch verarbeitet werden.
Als Ursachen für einen subjektiven Tinnitus sind bekannt:
Akustische Traumen/Hörsturz
Man vermutet, dass bis zu 30% aller subjektiven Tinniti Folge übermäßiger Lärmbelastung sind. Dazu zählt die Musikbeschallung bei einem Rockkonzert oder über Kopfhörer ebenso wie der Lärm von lauten Maschinen. Außerdem können Traumen durch Explosionen oder einen lauten Knall (Knalltrauma) hervorgerufen werden. Eine häufige Ursache für die Entwicklung eines chronischen Tinnitus ist ein vorangegangener Hörsturz. Bei einem Hörsturz kommt es zu einem plötzlichen teilweisen oder kompletten, meist einseitigen Verlust des Gehörs (Innenohrschwerhörigkeit) sowie akuten Ohrgeräuschen.
Mögliche ursächliche Ohrerkrankungen
- Verknöcherung im Übergang zwischen dritten Hörknöchelchen (Steigbügel) und Innenohr (Otosklerose)
- Mittelohrentzündungen
- Innenohrentzündungen
- Tubenfunktionsstörungen
- Mangelnde Durchblutung des Innenohrs
- Trommelfelldefekt
- Verschluss des Gehörgangs durch Ohrenschmalz oder Fremdkörper
- Perilymphfisteln
Schwerhörigkeit
Vererbte, erworbene oder altersbedingte Schwerhörigkeit kann von einem Tinnitus begleitet sein.
Akustikusneurinom
Dieser gutartige Tumor sitzt beengend am Hörnerv. Er kann neben einem Tinnitus Schwindel und vermindertes Hören verursachen.
Morbus Menière
Morbus Menière ist ein Drehschwindel, der in Anfällen auftritt. Während eines Anfalls leidet der Betroffene in der Regel unter einem tieftonigen Geräusch sowie Schwerhörigkeit.
Funktionsstörungen der Halswirbelsäule
Veränderungen oder Blockaden insbesondere an den drei obersten Gelenken der Halswirbelsäule sind möglich, werden aber als Ursache kritisch diskutiert.
Zahn-Kiefer-Bereich
Zahnfüllungen, Zähneknirschen, Kieferfehlstellungen und verkrampfte Kaumuskulatur (Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD), Zahn-Extraktionen – auch diese Ursachen sind sehr selten.
Emotionale Belastung
Auf welche Weise Stress, Angst, Überforderung oder psychische Erkrankungen zu einem Tinnitus führen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend bewiesen. Etwa die Hälfte der Erkrankten mit einem chronischen Tinnitus berichtet jedoch von erheblichem Stress in der Vergangenheit oder Gegenwart.
Medikamentennebenwirkungen
Einige Medikamente rufen Nebenwirkungen hervor, die das Hörsystem beeinflussen. Das Gehör schädigende und somit auch Tinnitus auslösen.
- harntreibende Arzneien
- spezielle Antibiotika
- Krebsbehandlungen
- Anti-Malaria-Mittel
- bestimmte Psychopharmaka
Andere Ursachen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. Herzrhythmusstörungen, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck
- Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen
- Störungen im Hormonhaushalt, z.B. während der Menopause
- Schädel-Hirn-Traumen
- Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose), Hirntumoren, Hirnhautentzündungen
- Narkosen, insbesondere über das Rückenmark (Spinalanästhesie)
- Veränderte Druckverhältnisse im Ohr, z.B. durch Tauchgänge oder Flugreisen (Barotrauma bei Unterdruck, Caisson-Krankheit bei Überdruck im Ohr)
- Alkoholmissbrauch

Tinnitus – Anzeichen und Verlauf
Ein Tinnitus kann die unterschiedlichsten Geräusche verursachen, die auch über den Tag variieren können: Ein Pfeifen, Rauschen, Hämmern, Zischen, Summen, Klingeln, Klopfen oder Knarren. Sie treten einzeln oder gemischt auf, andauernd oder ständig wiederkehrend, an- und abschwellend, veränderlich in der Frequenz, auf einem oder auf beiden Ohren. Am häufigsten beschreiben Patienten hohe Pieptöne oder ein monotones, tieferes Rauschen. Bei starker Schwerhörigkeit kann es auch eine Melodie sein. Liegt ein objektiver Tinnitus aufgrund von gefäßbedingten Prozessen vor, sind die Geräusche pulssynchron.
Ohrgeräusche werden von dem Patienten auf einem, beiden Ohren oder mittig im Kopf wahrgenommen. Objektiv gemessen sind sie nicht lauter als das Rascheln trockener Blätter, also knapp über der sogenannten Hörschwelle. Das ist die Grenze, ab der jemand individuell einen Ton hören kann.
Stress, körperliche Überbeanspruchung oder Alkoholgenuss können verstärkend wirken. Manche Menschen nehmen ihr Geräusch aufgrund der Stille besonders in der Nacht wahr und schlafen daher schlecht ein.
Im Zusammenhang mit einer Schwerhörigkeit wird ein Tinnitus lauter empfunden, da die Geräusche aus der Umwelt nicht mehr ablenkend wirken.
Schwindel und Hörminderung können mit einem akuten Tinnitus – vor allem im Zuge eines Hörsturzes einhergehen.
Vor allem in der akuten Phase des Tinnitus reagiert etwa die Hälfte der Betroffenen übermäßig empfindlich auf laute Geräusche in der Umwelt (Hyperakusis). Leise Musik, Stimmengemurmel oder Autoverkehr wirken hingegen angenehm, da sie das innere Geräusch in den Hintergrund drängen.
Tinnitus - Einteilung der Schweregrade
Wie sehr ein Patient unter seinem Tinnitus leidet, hängt nicht allein von der Art des Tons, sondern sehr von der persönlichen Tagesform und der inneren Einstellung zu der Problematik ab. Das Ausmaß der Belastung haben die Mediziner daher in vier Schweregrade unterteilt.
Einteilung nach Biesinger et al.
Grad 1: Der Tinnitus ist gut kompensiert, kein Leidensdruck
Grad 2: Der Tinnitus tritt hauptsächlich bei Stille auf und wirkt störend bei Stress und Belastungen
Grad 3: Der Tinnitus führt zu einer dauernden Beeinträchtigung im privaten und beruflichen Bereich. Es treten Störungen im emotionalen, kognitiven und körperlichen Bereich auf.
Grad 4: Der Tinnitus führt zur völligen Dekompensation im privaten Bereich, Berufsunfähigkeit
Tinnitus - Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
Obwohl das Tinnitus-Risiko mit dem Alter steigt, sind auch Kinder und Jugendliche zunehmend betroffen. Oft tritt der Tinnitus nach einer Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung oder wegen eines Ohrenschmalzpfropfens auf und verschwindet nach der Behandlung der Grunderkrankung. Häufige Auslöser sind laute Musik bei Konzerten oder per MP3-Player.
Normal hörende Kinder entwickeln nur selten chronischen Tinnitus, bei Schwerhörigkeit tritt er häufig auf. Meist kommen die Kinder gut damit zurecht, und die Heilungschancen sind hoch.
Psychische Ursachen sind selten, aber möglich. Eltern sollten auf Anzeichen wie Schlafprobleme, körperliche Beschwerden, verschlechterte Schulleistungen oder Traurigkeit achten und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, falls nötig.

Tinnitus – Untersuchungen & Diagnose - TINNITUS INSTITUT
Die Anamnese, also die Krankengeschichte des Patienten, bildet die Grundlage der Tinnitus-Diagnostik und erlaubt dem HNO-Arzt, Tinnitus Spezialist oft schon eine erste Einschätzung des Schweregrades. Diese berücksichtigt auch psychische Aspekte, d.h. wie hoch ist der Leidensdruck, inwieweit wird die psychische Gesundheit des Patienten durch den Tinnitus beeinträchtigt? Außerdem lassen die Krankengeschichte des Betroffenen und die genaue Beschreibung der Ohrgeräusche Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache des Tinnitus zu. Zunächst wird der HNO-Arzt, Tinnitus Sezialist deswegen den Patienten nach der Art und Häufigkeit des Tinnitus sowie nach weiteren Beschwerden fragen. Gut ist, wenn der Patient seine Ohrgeräusche präzise beschreiben kann, wobei Vergleiche mit bekannten Alltagsgeräuschen hilfreich sind. Daneben sind erlebte Unfälle und Operationen am Kopf, Ohrenerkrankungen sowie Lärmbelastungen im beruflichen oder privaten Bereich entscheidende Hinweise für den HNO-Arzt,Tinnitus Spezialist.
An das Anamnesegespräch schließt eine umfassende Untersuchung (z.B. Ohrmikroskopie, Untersuchung der Nasennebenhöhlen und des Rachens) an. Berichtet der Patient von pulssynchronen Geräuschen, kann durch das Abhören des Blutflusses im Ohr und in der Halsschlagader ein gefäßbedingter, objektiver Tinnitus erkannt werden. Weiter kann mit unterschiedlichen Hörtests die Lautstärken-, Frequenz- und Sprachhörfähigkeit des Patienten überprüft werden sowie mit verschiedenen Messmethoden der Ohrendruck und die Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchen (Impedanzmessung/Tympanometrie) bzw. des Hörnervs (Messung der Hörnervleitgeschwindigkeit mit Hilfe der Hirnstammaudiometrie) kontrolliert werden. Es wird versucht, den Tinnitus näher zu lokalisieren und zu charakterisieren, um entsprechende Behandlungsverfahren einzuleiten.
Zudem haben wir das Wissen mit welchen pflanzlichen Arzneien den Tinnitus behandeln kann.
Bei Bedarf wird der HNO-Arzt, Tinnitus Sezialist mit Kollegen aus anderen Bereichen diagnostisch zusammenarbeiten, um z.B. zahnbedingte Ursachen, Fehlstellungen der Halswirbelsäule, internistische Grunderkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) oder psychologische Probleme abklären zu lassen.

Behandlung eines akuten und chronischen Tinnitus
Bei akutem Tinnitus sollte eine Hörprüfung erfolgen, um Hörstörungen oder andere Ursachen auszuschließen. Eine eindeutig wissenschaftlich belegte Therapie gibt es derzeit nicht, daher steht die sorgfältige Abklärung durch HNO-Arzt, ggf. Psychiatrie oder Neurologie, im Vordergrund.
Bei chronischem Tinnitus liegt das Ziel vor allem darin, die Lebensqualität zu verbessern und den Umgang mit dem Geräusch zu erleichtern. Psychotherapeutische Verfahren gelten als am besten untersucht; ergänzend können z. B. Tinnitus-Masker eingesetzt werden.
Objektiver Tinnitus
Ist eine konkrete Ursache feststellbar, wird die Grunderkrankung behandelt (z. B. Gefäßprobleme, Muskelstörungen oder Funktionsstörungen von Kiefer und Halswirbelsäule). Wird diese behoben, kann auch der Tinnitus verschwinden.
Ergänzende Ansätze
Entspannungsverfahren, Hörtraining oder Musiktherapie können helfen, die Wahrnehmung des Geräuschs zu reduzieren. Auch naturheilkundliche Methoden wie pflanzliche Mittel, individuelle Präparate oder eine Haaranalyse können unterstützend eingesetzt werden.
Was Betroffene selbst tun können
Aktiv bleiben, soziale Kontakte pflegen, leichte Bewegung, angenehme Geräusche, ausgewogene Ernährung sowie Stressabbau wirken unterstützend. Anhaltende Ohrgeräusche sollten ärztlich abgeklärt werden.
Vorsorge
Stress reduzieren und Lärm vermeiden. Bei Konzerten oder lauter Arbeit konsequent Gehörschutz tragen und dauerhafte laute Kopfhörernutzung vermeiden.